Fluggastrechte im Überblick

Fluggastrechte bei Verspätung, Flugausfall oder anderen Szenarien
Juli 30, 2020
Entschädigungsanspruch bei Flugannullierung wegen möglichen Unwetters
Juli 30, 2020

Fluggastrechte im Überblick

Kommt es zu einer Flugverspätung oder Flugannullierung, so ist dies ärgerlich, denn dafür sind die Reisenden nicht verantwortlich. Aufgrund der EU-Fluggastrechte steht Reisenden jedoch in bestimmten Fällen eine Entschädigung zu. Wann dies der Fall ist und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um eine Entschädigung zu erhalten, wird nachfolgend detailliert in Erfahrung gebracht.

Wann können Reisende von den EU-Fluggastrechten Gebrauch machen?

Die europäische Fluggastrechte-Verordnung bestimmt die Rechte und Ansprüche, welche Reisenden zustehen. Diese trifft jedoch nur auf Reisende zu, welche mit einem Flug aus der EU starten, in der EU landen oder mit einer Fluggesellschaft fliegen, welche ihren Sitz in der EU hat. Beachtet werden sollte dabei, dass die Fluggastrechte-Verordnung auch für die Schweiz, Norwegen und Island gilt. Weiterhin gilt diese für sämtliche Pauschalflüge, welche den erwähnten Voraussetzungen entsprechen.

Flugverspätung

Am häufigsten kommt es zu Flugverspätungen. Liegt eine Verspätung des Fluges vor, welche von der jeweiligen Fluggesellschaft erzeugt wurde, so besteht ein Grund für eine Entschädigung – jedoch nur, wenn der jeweilige Flug drei Stunden zu spät am Ziel ankommt. Dabei zählt das Öffnen von mindestens einer Tür für die Passagiere als offizielle Ankunft. Befindet sich an Flugzeug also zum Beispiel noch für einige Stunden nach der Ankunft auf dem Rollfeld, so besteht dennoch ein Recht auf eine Entschädigung, sofern die ursprüngliche Ankunftszeit um drei Stunden überschritten wird. Neben der Entschädigung muss sich die jeweilige Fluggesellschaft auch um die Verpflegung der Passagiere kümmern, mindestens zwei Telefonate oder E-Mails pro Passagier ermöglichen und eine Übernachtungsmöglichkeit schaffen, sofern sich der jeweilige Flug bis auf den nächsten Tag verspätet.

Flugannullierung

Wird ein Flug gestrichen, so muss nach europäischem Recht eine vollständige Erstattung des Preises für das Flugticket erfolgen. Stattdessen kann aber auch die Möglichkeit wahrgenommen werden, sich auf einen anderen Flug von der jeweiligen Fluggesellschaft umbuchen zu lassen, welcher die gleiche Flugstrecke bedient. Außerdem besteht in einigen Fällen auch das Recht auf eine Entschädigung. Werden Passagiere nicht rechtzeitig über eine Annullierung informiert, so ist dies der Fall. Es gilt hier für alle Fluggesellschaften eine Frist von zwei Wochen vor dem Abflugtermin. Die Entschädigung wird in solch einem Fall in Form einer Ausgleichszahlung durchgeführt.

Überbuchung

Es kann in einigen Fällen dazu kommen, dass Fluggesellschaften mehr Flugtickets verkaufen, als Plätze verfügbar sind. In solchen Fällen wird von einer Überbuchung gesprochen. Meist tendieren die Fluggesellschaften in solchen Fällen dazu, die Passagiere von einem freiwilligen Rücktritt der Buchung – oder einer Umbuchung zu überzeugen. Solche Angebote sollten allerdings nur wahrgenommen werden, wenn es sich um einen guten Kompromiss handelt. Ist dies nicht der Fall, so sollten solche Angebote abgelehnt werden. Wer trotz einer Überbuchung als Passagier auf sein ursprünglich gebuchtes Flugticket besteht, kann entweder den gebuchten Flug wahrnehmen oder wird von der jeweiligen Fluggesellschaft umgebucht. Nun bestehen die gleichen Rechte, welche auch bei einer Annullierung gelten.

Verpasster Anschlussflug

Wer das Endziel seiner Reise um mehr als drei Stunden verspätet erreicht, kann ebenfalls von dem europäischen Flugrecht Gebrauch machen und hat somit das Recht auf eine Entschädigung. Dies gilt auch, wenn der Anschlussflug außerhalb der EU liegt oder von einer anderen Fluggesellschaft durchgeführt wird – jedoch nur, wenn es sich um Flüge handelt, welche unter einer Buchung zusammengefasst werden.

Wie hoch fällt die Entschädigung aus?

Entschädigungen müssen von Fluggesellschaften in Form einer Geldsumme an Passagiere entrichtet werden, welche von solchen aufgrund einer Verspätung, Streichung oder Überbuchung eines Fluges – sowie eines verpassten Anschlussfluges Gebrauch machen können. Abhängig ist die Höhe der Entschädigung stets von der Länge der Flugstrecke. So steht eine Entschädigung nie in Abhängigkeit zu dem gezahlten Preis für das jeweilige Flugticket.

Unterschieden wird zischen drei verschiedenen Summen, welche als Entschädigung in Frage kommen: Zum einen gibt es Kurzstrecken von bis zu 1.500 km, für welche eine Entschädigung von 250 € gezahlt werden muss. Zum anderen gibt es Mittelstrecken, welche Strecken mit einer Länge von bis zu 3.500 km betreffen. Für diese muss eine Entschädigung in Höhe von 400 € gezahlt werden. Darüber hinaus kann in Langstrecken unterschieden werden, welche ab einer Länge von 3.500 km gelten. Für diese wird eine Entschädigung in Höhe von 600 € fällig. Somit liegt die höchstmögliche Entschädigung bei 600 €.

Wann müssen Fluggesellschaften keine Entschädigungen zahlen?

Kommt es zu einer Flugverspätung oder einer Flugannullierung, so muss die jeweilige Fluggesellschaft nicht immer zahlen, denn nicht in jedem Fall liegt die Schuld bei dieser. Treten Verspätungen oder Annullierungen aufgrund außergewöhnlicher Umstände ein, so besteht seitens der betroffenen Fluggäste kein Recht auf eine Entschädigung. Außergewöhnliche Umstände können unter anderem bei sehr schlechtem Wetter vorliegen: Für diesen Umstand ist eine Fluggesellschaft nämlich nicht verantwortlich. Dennoch haben Fluggäste hier das Recht auf eine Betreuung sowie auf eine Möglichkeit zur Weiterreise. Zudem kann ein Streik der Piloten oder Fluglotsen unter die außergewöhnlichen Umstände gezählt werden. Abhängig ist dies jedoch auch von jedem Einzelfall.

Es sollte trotz möglicher außergewöhnlicher Umstände stets eine Entschädigung eingefordert werden, denn häufig hängt die Zahlung einer solchen vom Einzelfall ab. Versucht eine Fluggesellschaft, sich aus einer eingeforderten Entschädigung herauszureden, so kann Hilfe hinzugezogen werden, um dennoch seine Entschädigung zu erhalten. Ist nicht klar, ob tatsächlich ein außergewöhnlicher Umstand vorlag, so muss die jeweilige Fluggesellschaft diesen Umstand teilweise auch vor Gericht nachweisen.

Welche Fluggastrechte gelten in der EU bei verlorenem oder beschädigtem Gepäck?

Neben den Rechten, welche die Flüge an sich betreffen, gelten in der EU auch Fluggastrechte, welche verlorenes oder beschädigtes Gepäck betreffen. Fluggäste sind grundsätzlich für ihr Handgepäck verantwortlich. Die Verantwortung für das aufgegebene Gepäck trägt jedoch immer die jeweilige Fluggesellschaft. Kommt es zu Schäden am aufgegeben Gepäck oder verschwindet dieses, so steht den Fluggästen im Ernstfall eine Entschädigung von bis zu 1.350 € zu. Es handelt sich hierbei um einen Schadensersatz.

Was tun, wenn die Fluggesellschaft nicht für die Entschädigung aufkommen möchte?

Lehnt die jeweilige Fluggesellschaft die Zahlung einer Entschädigung ab, so bestehen mehrere Möglichkeiten, um diese dennoch zu erhalten: Zum einen kann eine Schlichtungsstelle beauftragt werden, um die Entschädigung einzufordern. Hier gibt es privatrechtlich-organisierte – sowie behördliche Schlichtungsstellen. Zum anderen kann ein kommerzielles Unternehmen beauftragt werden, die Fluggastrechte durchzusetzen. Hier gibt es Unternehmen, welche sofort eine Entschädigung zahlen und meist eine höhere Provision dafür erhalten. Genauso gibt es Unternehmen, welche die Forderungen des jeweiligen Fluggastes auf dem Inkasso-Weg durchsetzen und somit eine etwas niedrigere Provision erhalten – jedoch fällt hier die Entschädigung höher aus.

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