Entschädigung bei störendem Verhalten von Fluggästen an Bord ?

Fluggastrechte bei Verspätung, Flugausfall oder anderen Szenarien
Juli 30, 2020

Entschädigung bei störendem Verhalten von Fluggästen an Bord ?

Dem Urteil liegt folgender Sachverhalt zugrunde: ein Passagier des Fluges fing an zu randalieren, er biss andere Menschen und attackierte sie, sodass die Maschine zwischenlanden musste, weshalb auch der Nachfolgeflug verspätet ankam.

Der EuGH entschied in diesem Fall aber, dass dieses störende Verhalten, einen außergewöhnlichen Umstand darstellt. Ein Fluggast aus Portugal forderte Entschädigung von der Airline, die sich aber wegen des Störenfrieds auf außergewöhnliche Umstände berief und dem Gast keine Entschädigung zahlte.

In der Regel haben Fluggäste in der EU einen Anspruch auf Entschädigung, wenn sich die Ankunft ihres Fluges um mindestens drei Stunden verzögert, der Flug kurzfristig annulliert wird oder überbucht war.

Allerdings kann sich eine Airline im Falle des Auftretens außergewöhnlicher Umstände auf diese berufen und der Entschädigungsanspruch entfällt damit. Dem entsprach auch dieser Fall hier. Das Gericht entschied, das Randale an Bord nicht Teil einer normalen Tätigkeit einer Airline darstellt.

Das Verhalten eines solchen Menschen sei außerdem nicht beherrschbar und die Möglichkeiten der Crew-Mitglieder den Menschen zu beruhigen seien an Bord auch nur sehr eingeschränkt. Muss deshalb dann gelandet werden, liegt ein Fall außergewöhnlicher Umstände vor.

Das Gericht stellt in diesem Zusammenhang aber auch klar, dass die Airline dazu verpflichtet ist, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen, um die Verspätung möglichst gering zu halten. Diese Lösung müsse der Airline allerdings auch zumutbar sein.

Hierzu gehöre aber auch, den Fluggästen direkte oder indirekte Flüge, die nicht vom eigenen Unternehmen oder der gleichen Fluggesellschaftsallianz zur Verfügung stehen, anzubieten.

Demnach ist es nicht ausreichend, den Fluggast auf einen eigenen Flug am nächsten Tag zu vertrösten, wenn es andere zumutbare Alternativen gegeben hätte.

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